© Bund; 2001-01-20; Seite 8; Nummer 16

Der Bund, Feuilleton

Starker Zweitling

Jazz / Die Gruppe Brink Man Ship legt in der Berner Reitschule die neue CD vor.

gmn. «Maschinenmusik» ganz «human». Das ist natürlich Polemik. Nichtsdestoweniger bringen der in Bern ansässige Saxofonist Jan Galega Brönnimann und seine Crew, alias Brink Man Ship, auch auf ihrem zweiten, ein Jahr nach dem Erstling veröffentlichten Album «Translusion» (Brambus / Musikvertrieb) das Kunststück fertig, ursprünglich elektronische Musik auf erfolgreiche Art akustisch zu generieren.

Gelungene Verbindung

Die Verbindung zwischen Technorhythmen und durchaus unkonventioneller Jazzmelodik überzeugt, wobei die Schilderung hier eindeutig zu kurz greift: Christoph Staudenmann (Schlagzeug) und Emanuel Schnyder (Bass) unterlegen Brönnimanns Saxofon einen Beat, der vordergründig monoton daherstampft. Wer sich aber die Mühe macht, etwas genauer hinzuhören, wird aus dem Staunen nicht herauskommen. Die «Monotonie» löst sich nämlich auf; hinter dem Vorhang lässt sich vielmehr ein höchst subtiles Geschehen entdecken, das von ständigen Variationen lebt. Dazu steuert René Reimann seine rockigen Gitarrenriffs bei und Jan Galega Brönnimann seine im Vergleich zum Erstling gar nicht mehr so lakonischen Saxofonphrasen.

Überhaupt ist die Musik von Brink Man Ship farbiger, stoffreicher, dichter geworden. Das Quartett ist dem Experimentierstadium entwachsen; aus dem Album spricht eine neue Sicherheit, was den Umgang mit den selbstentwickelten Mitteln betrifft - ein Umstand, der zweifelsohne auf die in der Zwischenzeit gesammelte Konzerterfahrung zurückgeht.

Kurz: Der Jazz ist nicht tot, er riecht auch nicht komisch; er klingt ganz einfach ein bisschen anders.

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